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LIBOR

LIBOR ist in seiner heutigen Gestalt nicht mit den Prinzipien für zukünftige Benchmarks konform und könnte daher schon bald verschwinden.

Was ist LIBOR?

Der LIBOR (London Interbank Offered Rate) ist ein weit verbreiteter Referenzzinssatz und soll die durchschnittlichen Zinskosten abbilden, zu denen sich LIBOR-Panelbanken für bestimmte Zeiträume und in bestimmten Währungen am unbesicherten Interbankenmarkt refinanzieren können.

Der LIBOR wird für die fünf Währungen EUR, GBP, CHF, USD und JPY in sieben Laufzeiten (Tenors) ermittelt:

  • Overnight
  • 1 Woche
  • 1 Monat
  • 2 Monate
  • 3 Monate
  • 6 Monate
  • 12 Monate

Als Grundlage für die Ermittlung dienen die Übermittlungen eines Referenzpanels von 11 bis 16 Banken, die Quotes für jede Währung und Laufzeit abgeben. Der Administrator der LIBORs, die ICE Benchmark Administration (IBA), berechnet die Zinssätze anhand einer festgelegten Berechnungsmethode: Von den abgegebenen Quotes wird zunächst das obere und untere Quartil eliminiert, bevor über die übrigen Einreichungen das arithmetische Mittel gebildet wird. Der LIBOR wird in der Regel für jedes Währungs- und Tenor-Paar um 11:55 Uhr Londoner Zeit an jedem anwendbaren Londoner Geschäftstag veröffentlicht.

Manipulationen machen Reform notwendig

In den Jahren 2011 und 2012 wurden Manipulationsfälle bei der Berechnung von LIBOR und Euribor aufgedeckt. Dieser LIBOR Skandal hat das Vertrauen in diese Zinssätze, die als Benchmark für unzählige Finanzprodukte verwendet werden, erschüttert und deren Reform notwendig gemacht. Im September 2012 veröffentlichte die britische Regierung den Wheatley Review und legte damit den Grundstein für die Reform des LIBOR. Zum neuen Administrator wurde die britische Finanzmarktaufsichtsbehörde Financial Conduct Authourity (FCA) berufen.

Im Juli 2013 veröffentlichte die International Organization of Securities Commission (IOSCO) die 19 “Principles for Financial Benchmarks“, die ein Framework mit Grundsätzen für finanzielle Benchmarks schaffen sollen. Das Financial Stability Board (FSB) veröffentlichte ein Jahr später seinen Report “Reforming Major Interest Rate Benchmarks” und etablierte dabei die Official Sector Steering Group (OSSG). Diese ist seither mit der Koordination der Reform von unterschiedlichen IBORs betraut.

Zuerst wurde mit der Annahme gearbeitet, dass der LIBOR reformiert und damit weiterhin als Indikator für den durchschnittlichen Zinssatz dienen kann, zu denen LIBOR-Panelbanken unbesicherte Refinanzierungen abschließen. Die IBA führte aus diesem Grund eine Konsultation über die Zukunft von LIBOR mit Interessengruppen aus der ganzen Welt durch und veröffentlichte die Ergebnisse im März 2016 in der “Roadmap for ICE LIBOR” – aus LIBOR soll zukünftig ein evolved LIBOR werden.

Gleichzeitig hat die IBA hat mit den Panelbanken zusammengearbeitet, um die Infrastruktur und die Systeme zu entwickeln, die notwendig sind, um die LIBOR Quotes unter Verwendung der Wasserfallmethodik durchzuführen.

Ziel des evolved LIBOR ist es, den Benchmark in realen Markttransaktionen zu verankern und so die Abhängigkeit von Panelbanken und Expertenschätzungen zu begrenzen. Die größte Herausforderung für den Administrator besteht darin, dass der zugrundeliegende unbesicherte Geldmarkt nicht liquide genug ist um einen rein transaktionsbasierten Ansatz zu unterstützen. Dadurch wird die Aufgabe der Aktualisierung der Benchmarks schwieriger.

Eine Lösung für die mangelnde Liquidität liegt darin, den Fokus für die Ermittlung des evolved LIBOR auf die Kosten der vom Wholesalemarkt bereitgestellten unbesicherten Verbindlichkeiten von Banken zu legen. Diese Änderung erhöht die Anzahl der zulässigen Transaktionen für den Ermittlungsprozess. Zusätzlich können bei mangelnder Datengrundlage auch historische Daten und Interpolationstechniken eingesetzt werden. Der neue Ermittlungsprozess für den evolved LIBOR folgt damit einem dreistufigen Wasserfallansatz:

  • Level 1: Bestimmung basierend auf realen Transaktionen
  • Level 2: Bestimmung basierend auf inter- oder extrapolierten Transaktionen, historischen Daten etc.
  • Level 3: Bestimmung basierend auf Expertenmeinungen (Umfrage)

Cessation und Nachfolger

Trotz dieser Reformierungsbemühungen steht die Frage im Raum, ob Banken weiter an der Quotierung teilnehmen und / oder ob Instrumente mit diesen Referenzzinssätzen mittelfristig weiter liquide gehandelt werden. Während der Testperiode der neuen Methodik wurde weiterhin bei 80% der Fixings auf Level 3 Quotes zurückgegriffen, was bezweifeln lässt, dass der neue LIBOR sehr viel mehr transaktionsbasiert und damit weniger anfällig für Manipulation sein wird.

Das LIBOR Panel wird derzeit durch die FCA aufrechterhalten. Dies wird sich jedoch ab 2022 ändern:

I and my colleagues have therefore spoken to all the current panel banks about agreeing voluntarily to sustain LIBOR for a four to five year period, i.e. until end-2021.

The Future of LIBOR
Andrew Bailey, Chief Executive FCA, Rede vom 27. Juli 2017

Aus diesem Grund wird parallel zur Arbeit an Weiterentwicklungen für die heutigen IBOR-Sätze an einer neuen Familie von Referenzzinsätzen, den RFRs, gearbeitet. Der erste Schritt hierbei ist die Etablierung eines neuen Tagesgeldsatzes. Anschließend können auf Basis der Overnight-Zinssätze Laufzeitstrukturen erarbeitet werden, wie sie auch bei den LIBORs zur Verfügung stehen.

Möchten Sie mehr über konkrete Auswirkungen der IBOR-Reform erfahren?

Christian Behm
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Ihr Ansprechpartner für
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