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Euribor

Euribor zählt wie LIBOR laut der Definition der EU BMR zu den kritischen Benchmarks und könnte daher schon bald verschwinden.

Was ist Euribor?

Der Euribor (Euro Interbank Offered Rate) bezeichnet einen Zinssatz, zu dem Interbanken-Termineinlagen in Euro zwischen Banken mit erstklassiger Bonität innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums angeboten werden. Der Referenzzinssatz wird für verschiedene Laufzeiten (Tenors) ermittelt, die zwischen 1 Woche und 12 Monaten liegen – die am häufigsten verwendeten Euribor-Zinssätze sind der 3 Monats-Euribor und der 6 Monats-EURIBOR. Administrator des Euribors ist das European Money Market Institute (EMMI).

Ermittelt wird der Euribor auf Basis eines Panels an europäischen Banken, die den gesamten Euro-Geldmarkt adäquat abbilden sollen. Die teilnehmenden Banken geben täglich eine Schätzung darüber ab, zu welchem Zinssatz ihrer Meinung nach Interbanken-Termineinlagen mit erstklassiger Bonität im jeweiligen Tenor vergeben werden. Der Calculation Agent führt dann die Berechnung anhand eines strikten Code of Conducts durch: von den abgegebenen Schätzungen werden jeweils die niedrigsten und höchsten 15% eliminiert (sogenanntes „Trimming“). Anschließend werden die Ergebnisse für die verschiedenen Laufzeiten veröffentlicht – quotiert wird der Euribor für jeden TARGET-Geschäftstag auf Basis der act/360-Zinsberechnungsmethode.

Transition

In den Jahren 2011 und 2012 wurden Manipulationsfälle bei der Berechnung von LIBOR und Euribor aufgedeckt. Dieser LIBOR Skandal hat das Vertrauen in diese Zinssätze erschüttert und deren Reform notwendig gemacht. Im Juli 2013 veröffentlichte die International Organization of Securities Commission (IOSCO) die 19 “Principles for Financial Benchmarks“, die ein Framework mit Grundsätzen für finanzielle Benchmarks schaffen sollen. Das Financial Stability Board (FSB) veröffentlichte ein Jahr später seinen Report “Reforming Major Interest Rate Benchmarks” und etablierte dabei die Official Sector Steering Group (OSSG). Diese ist seither mit der Koordination der Reform von unterschiedlichen IBORs betraut.

In Europa wurden die Reformpläne in ein Gesetz gegossen und im Juni 2016 wurde die Verordnung (EU) 2016/1011 (EU BMR) vom Europäischen Parlament verabschiedet. Nach EU BMR muss der Euribor bis 31.12.2021 reformiert werden, da neue Geschäfte ab dann nicht mehr auf die aktuellen Benchmarks referenzieren dürfen. Deshalb soll der Benchmark kurzfristig angepasst werden, um mit den IOSCO-Prinzipien konform zu sein und weiter als Referenzwert zur Verfügung zu stehen. Da die dem Euribor zugrundeliegenden Geldmärkte keine ausreichende Liquidität für einen robusten Fixingprozess auf Basis realer Transaktionen aufweisen, sind neue Methoden erforderlich (Hybrid Euribor).

Was ist Hybrid-Euribor?

Der verbesserte Benchmark wird als Hybrid-Euribor bezeichnet. Ziel ist es, den Euribor in realen Markttransaktionen zu verankern und so die Abhängigkeit von Panelbanken und Expertenschätzungen zu begrenzen. Die größte Herausforderung für den Administrator besteht darin, dass der zugrundeliegende unbesicherte Geldmarkt nicht liquide genug ist um einen rein transaktionsbasierten Ansatz zu unterstützen. Dadurch wird die Aufgabe der Aktualisierung der Benchmarks schwieriger.

Eine Lösung für die mangelnde Liquidität liegt darin, den Fokus für die Ermittlung des Euribor auf die Kosten der vom Wholesalemarkt bereitgestellten unbesicherten Verbindlichkeiten von Banken zu legen. Diese Änderung erhöht die Anzahl der zulässigen Transaktionen für den Ermittlungsprozess. Zusätzlich können bei mangelnder Datengrundlage auch historische Daten und Interpolationstechniken eingesetzt werden. Der neue Ermittlungsprozess für den Hybrid-Euribor folgt damit einem dreistufigen Wasserfallansatz:

  • Level 1: Bestimmung basierend auf realen Transaktionen
  • Level 2: Bestimmung basierend auf inter- oder extrapolierten Transaktionen, historischen Daten etc.
  • Level 3: Bestimmung basierend auf Expertenmeinungen (Umfrage)

Cessations und Nachfolger

Trotz dieser Reformierungsbemühungen steht die Frage im Raum, ob Banken weiter an der Quotierung teilnehmen und / oder ob Instrumente mit diesen Referenzzinssätzen mittelfristig weiter liquide gehandelt werden.

Parallel zur Entwicklung eines Hybrid-Euribor wird daher auch bereits an einer Term Rate für den Euro-Währungsraum auf Basis von RFRs gearbeitet. Der erste Schritt hierbei ist die Etablierung eines neuen Tagesgeldsatzes. Anschließend können auf Basis des Overnight-Zinssatzes Laufzeitstrukturen erarbeitet werden, wie sie auch beim derzeitigen Benchmark Euribor zur Verfügung stehen.

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Christian Behm
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