ISIN für (OTC-) Derivate – Neue Anforderungen durch MiFID II / MiFIR.
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26. October 2016

ISIN für (OTC-) Derivate – Neue Anforderungen durch MiFID II / MiFIR.

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Regulatorische Anforderungen erfordern eine ISIN für Derivate ab 2018:

Im Rahmen der Einführung von MiFID II / MiFIR ergeben sich für den Handel mit Derivaten ab Januar 2018 neue Anforderungen. So müssen alle Finanzinstrumente, die an einem Handelsplatz oder über einen systematischen Internalisierer gehandelt werden, über eine ISIN (International Securities Identification Number) verfügen. Dies betrifft auch explizit die (OTC-) Derivate.

  • Regulatorische Anforderungen erfordern eine ISIN für Derivate ab 2018.
  • Hohe Komplexität in Ausgestaltungsdetails (ISIN-Vergabe , Produktattribute).
  • Vielschichtige Auswirkungen auf Prozesse/Workflows in den Finanzinstituten (Clearing, F2B Processing, MiFID II / MiFIR Reporting).
  • International Organization for Standardisation (ISO) ist für ISIN-Normierung verantwortlich.
  • Association of National Numbering Agencies (ANNA) und ISDA unterstützen ISO bei Normsetzung.
  • ANNA entwickelt „ISIN Issuance Engine“ (erste Schnittstellenspezifikationen in Q4 2016).
  • Working Groups (Credit, Rates, Equity, FX, Commodities) definieren relevante Produktattribute.

Neue Anforderungen durch MiFID II / MiFIR.

Im Rahmen der Einführung von MiFID II / MiFIR ergeben sich für den Handel mit Derivaten ab Januar 2018 neue Anforderungen. So müssen alle Finanzinstrumente, die an einem Handelsplatz oder über einen systematischen Internalisierer gehandelt werden, über eine ISIN verfügen. Dies betrifft auch explizit die (OTC-) Derivate.Die ISIN kann als Produktidentifizierungs- merkmal in den verschiedenen MiFID II / MiFIR Reportings Verwendung finden. Verpflichtend ist dies jedoch lediglich in der Referenzdaten- Meldung (RTS 23). Sofern sich die ISIN für Derivate jedoch als Marktstandard etabliert, wird sich dies nicht nur auf das regulatorische Reporting beschränken sondern auch Auswirkungen auf die Geschäftsanbahnung und den Abschluss von Derivaten haben.

ISIN für Derivate – Umsetzung im derzeitigen System nicht möglich.

Das derzeitige ISIN System – das bis jetzt nur für die Kennzeichnung von Wertpapieren und einigen Exchange-Traded Derivatives (ETDs) genutzt wird und ab 03.01.2018 dann zusätzlich auch OTC-Derivate kennzeichnen soll – ist in der aktuellen Ausgestaltung nur unzureichend geeignet, um die zusätzlichen Anforderungen durch MiFID II / MiFIR zu erfüllen. So müsste unter der jetzigen Ausgestaltung nach Berechnungen der International Swaps and Derivatives Association (ISDA) alle 1,5 Trades eine neue ISIN vergeben werden, um den Anforderungen der ESMA zu entsprechen und die volle Variabilität im Handelsbereich abzubilden – eine Anzahl, die weit über die Anzahl derzeit vergebener ISINs hinausgeht.(ISDA: Principles on the Development of Derivatives Product Identifiers. Mai 2016.) Dies hätte direkte Auswirkungen auf die Unternehmen der Finanzbranche. Eine solche Menge an ISIN-Anträgen würde für die Finanzunternehmen – die als Händler die ISINs beantragen müssen – einen potentiellen Mehraufwand und signifikante Mehrkosten bedeuten.

Des Weiteren besteht das Problem, dass der aktuelle Vergabeprozess nicht darauf ausgelegt ist, in kürzester Zeit – möglicherweise sogar in Echtzeit – ISINs zu vergeben. Das ist für einen effektiven und effizienten Derivatehandel jedoch elementar. Darüber hinaus erfordert MiFIR, dass für alle Finanzinstrumente, die vor 18 Uhr an einem Handelsplatz oder systematischen Internalisierer gehandelt, geordert oder quotiert wurden, bis 21 Uhr des selben Tages die Referenzdaten gemeldet werden. Für diese Referenzdatenmeldung ist eine ISIN notwendig.

Entwicklung eines neuen ISIN Systems.

Die International Organisation for Standardisation (ISO), die für die ISIN-Normierung verantwortlich ist, hat eine Arbeitsgruppe gegründet, um eine Anpassung der derzeitigen ISIN-Symbology zu erreichen. Die Arbeitsgruppe wird von der Association of National Numbering Agencies (ANNA) und ISDA geführt. ANNA ist die internationale Dachorganisation der nationalen Numbering Agencies (in Deutschland WM Datenservice) und als ausführendes Organ der ISO verantwortlich für die Vergabe von ISINs.

Die ISDA arbeitet seit 2011 an der Einführung eines Unique Product Identifiers (UPI). Dieser ist in einigen Marktsegmenten implementiert, jedoch nicht global akzeptiert. Der ISDA-UPI ist darüber hinaus mehr als Klassifizierung denn als Identifizierung zu sehen, sodass dieser zwar mit deutlich weniger Kennnummern auskommt und weniger kostenintensiv ist als die derzeitige ISIN, jedoch den Anforderungen von MiFID II / MiFIR und ESMA nicht gerecht wird. Aufgrund der hohen Verbreitung des UPIs ist geplant, relevante Teile der ISDA Taxonomy in das neue ISIN System zu übernehmen und die ISDA bei der Weiterentwicklung des derzeitigen ISIN Systems eng zu integrieren.

Zur Festlegung der notwendigen Granularität der ISIN wurden fünf Study Groups gebildet. Teilnehmer dieser von der ISO gesponserten Gruppen waren Vertreter von Finanzinstituten – sowohl von Käufer- als auch von Verkäuferseite – und Vertreter von Handelsplätzen sowie Verwahrstellen ; unter anderem waren Goldman Sachs, Deutsche Bank, Bloomberg, State Street, Eurex und London Stock Exchange dabei. LPA ist als Mitglied der Rates Study Group aktiv am Prozess beteiligt. In den Study Groups wurden Use Cases entwickelt, um diejenigen Attribute zu identifizieren, die in eine zu vergebende ISIN miteinfließen sollen. Der sogenannte „Product Descriptor“ umfasst letztlich diese Attribute auf Produktebene.

Neben den regulatorisch geforderten Attributen wurde intensiv diskutiert, welche zusätzlichen Anwendungsbereiche für Derivate-ISINs bestehen und welche Attribute hierfür notwendig sind. Mögliche Anwendungsbereiche ergeben sich beim Neuabschluss und der Auflösung von Derivaten sowie der Portfoliokomprimierung. Zu diesen Zwecken müssen sich alle Pricing- relevanten Informationen aus der ISIN ableiten lassen. Dies wird allerdings nur bei hochstandardisierten Geschäften möglich sein. Sobald ein Zinsswap beispielsweise eine Tilgungsstruktur, irreguläre Zinsperioden oder Kündigungsrechte aufweist, werden nach derzeitiger Planung neben der ISIN weitere Informationen erforderlich sein, um den Preis des Produktes zu bestimmen. Parallel zu den Arbeiten der Study Groups am „Product Descriptor“ laufen die Arbeiten zur Vergabe und Produktion der ISIN durch die ANNA (ISIN Issuance Engine).

What`s next?

Erste Ergebnisse der Study Groups wurden bis zum 31. Mai 2016 der übergeordneten Symbology- Arbeitsgruppe zugeleitet. Diese ist jetzt dafür verantwortlich, auf Basis der erhaltenen Daten das ISIN-System fortzuentwickeln. In Q IV 2016 wird die ANNA die nächsten Ergebnisse zur „ISIN Issuance Engine“ veröffentlichen. In Q II / Q III 2017 sollen User Acceptance Tests durchgeführt werden.

Die genauen Auswirkungen auf Handelsplätze und systematische Internalisierer werden sich über die nächsten Monate erst schrittweise konkretisieren. Fest steht jedoch, dass bis 2018 der ISIN- Vergabeprozess für Derivate entwickelt sein muss. Das bedeutet für die betroffenen Finanzinstitute und die jeweiligen MiFID II Projekte eine weitere (undankbare) Herausforderung für das Jahr 2017. LPA bleibt als Mitglied der Rates Study Group weiterhin am Prozess beteiligt. Sofern sie die Diskussion vertiefen möchten, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

LPA GmbH: We do Capital Markets.

Wir glauben, dass die komplexen Probleme im Kapitalmarktumfeld einen Mix aus fundierten Erfahrungen, kreativen Ideen und effizienten Lösungen erfordern. Unsere DNA ist das Derivategeschäft, doch heute besteht unser Team aus Finanzmarkt-Profis und Software-Experten mit unterschiedlichsten Themenschwerpunkten, die gemeinsam mit Ihnen solche Lösungen entwickeln. Gewürzt mit Humor und viel Engagement ist das gewissermaßen das Geheimrezept für unseren Erfolg.

An unseren Standorten in Frankfurt und Leipzig arbeiten 120 Berater und Softwareentwickler.
LPA ist ein nach wie vor inhabergeführtes Unternehmen.

Für weitere Informationen:

www.www.l-p-a.com
Lucht Probst Associates GmbH
Große Gallusstraße 9
60311 Frankfurt

Eva Schnürer
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Eva Schnürer

After studying German literature, psychoanalysis and philosophy in Frankfurt, you may not necessarily work in the financial sector, but you may feel surprisingly comfortable there. Eva Schnürer has been responsible for LPA’s marketing since September 2017 and is also in charge for internal and external communications.

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